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Echt Recht?

Stunden-Attest: Ist eine Teilzeit-Krank­schreibung möglich?

Teilkrankschreibung – stundenweise arbeiten trotz Krankschreibung
© Quelle: DAV / Patrick J. Lynch (CC BY 2.5)

Gibt es so etwas wie Stunden-Atteste oder Teilzeit-Krank­schrei­bungen? Rechts­anwalt Swen Walen­towski klärt die Frage unserer Leserin Patrica H. aus Weimar.

Liebe Patricia H.,

herzlichen Dank für Ihre inter­essante Frage, die ich natürlich gern beant­worte. Ich beginne mit einem Beispiel: Ein Arbeit­nehmer, der auf einer glatten Straße ausrutscht und sich ein Bein bricht, ist arbeitsunfähig und erhält von seinem Arzt eine Krank­schreibung, und zwar solange, bis er wieder genesen ist.

Erkrankte Arbeitnehmer bekommen derzeit bis zu sechs Wochen lang eine Entgeltfortzahlung vom Arbeitgeber und danach bis zu 78 Wochen Krankengeld von der gesetzlichen Krankenversicherung - sofern es sich um dieselbe Erkrankung handelt. So sieht das aktuelle Prozedere aus.

Theore­tisch denkbar wäre im beschrie­benen Fall aber, dass der Arzt den Patienten zu etwa 75 Prozent krank­schreibt und dieser den Rest der Zeit arbeiten geht – wenn dies vom ausgeübten Beruf her möglich ist und der Patient etwa einer sitzenden Tätigkeit vor einem Computer nachgeht. Die gesetz­liche Kranken­kasse würde dann zum Teil Krankengeld zahlen, der Rest wären Lohn oder Gehalt.

Allerdings ist das nur ein Gedankenspiel, denn es gibt in Deutschland aktuell keine Teilzeit-Krankschreibung, kein Attest für nur einige Stunden am Tag. Anders als in Schweden beispielsweise, wo solche Modelle durchaus praktiziert werden. Demgegenüber ist man in Deutschland entweder arbeitsunfähig und bleibt komplett zu Hause oder man ist gesund und geht eben arbeiten. Ein Entweder-Oder also.

Was das deutsche Gesundheitswesen aber kennt, ist das sogenannte Hamburger Modell, über das lange erkrankte Arbeitnehmer ihre Arbeit in einem Unternehmen schrittweise wieder aufnehmen können. Die Beschäftigten arbeiten dabei in den ersten zwei oder drei Wochen der Wiedereingliederung mit einer geringen Stundenzahl und steigern diese über einen gewissen Zeitraum bis zur Vollzeit oder ihrer vertraglich vereinbarten Arbeitszeit. In dieser Rückkehrphase zahlen die gesetzlichen Krankenversicherungen Krankengeld.

Aller­dings haben Arbeit­nehmer keinen Anspruch darauf, über das Hamburger Modell wieder in ihren Job einge­gliedert zu werden. Man braucht dafür die Zustimmung des Arbeit­gebers. Etwas anderes kann aber für schwer­be­hin­derte Arbeit­nehmer gelten, die unter Umständen eine Wieder­ein­glie­derung auch dann durch­setzen können, wenn ihr Arbeit­geber hierzu nicht bereit ist.

Übrigens wurde Ende 2015 hierzu­lande über eine Teilzeit-Krank­schreibung debat­tiert. Der Auslöser dafür war die Veröffent­li­chung eines Gutachtens, das Bundes­ge­sund­heits­mi­nister Hermann Gröhe 2014 in Auftrag gegeben hatte. Das Gutachten sollte Lösungen entwi­ckeln, um die Frage zu beant­worten, wie man die explo­die­renden Gesund­heits­kosten eindämmen könnte.

Dabei leiden die gesetz­lichen Kranken­kassen vor allem unter hohen Kranken­geld­zah­lungen, die etwa in 2014 rund 10,6 Milli­arden Euro betrugen. Über eine Teilzeit-Kranken­schreibung hofft man, die Kosten für das Krankengeld zu reduzieren, denn dabei würden sich, wie beschrieben, ja auch die Arbeit­geber an den Kosten betei­ligen.

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Arbeitnehmer Arbeitsplatz Gesundheit Krankheit Krankschreibung

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