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Beschäftigte

Lästern über den Chef – droht die Kündigung?

Wie weit dürfen Arbeitnehmer beim Lästern über den Chef gehen? © Quelle: Matelly/gettyimages.de

Klatsch und Tratsch gibt es wohl in jedem Betrieb. Das ist meistens auch harmlos - wenn man dabei einige Grenzen einhält. Aufpassen sollte man aber in jedem Fall, über wen man lästert. Vorsicht geboten ist vor allem dann, wenn man über den Arbeit­geber herzieht.

„Denn ich bin nichts, wenn ich nicht lästern darf.“ Diese Worte des intri­ganten Jago aus Shake­s­peares „Othello“ könnte auch so mancher Mitar­beiter eines Unter­nehmens von heute äußern. Zumindest gehört das Lästern über andere für viele Beschäftigte im Betrieb einfach dazu.

Doch auch wenn viele Arbeit­nehmer das Klatschen als selbst­verständlich betrachten – fraglich ist, ob es auch klug ist. Denn das abfällige Sprechen über andere kann unliebsame Folgen mit sich bringen. Das gilt vor allem dann, wenn man schlecht über den eigenen Chef redet.

Welche Folgen kann das Lästern über den Arbeit­geber haben?

Wer über den Arbeit­geber lästert, begeht diesem gegenüber eine Pflicht­ver­letzung. Je schwer­wie­gender diese ist, desto eher muss ein lästernder Arbeit­nehmer mit arbeits­recht­lichen Konse­quenzen rechnen.

Wer seinen Chef an einem öffentlichen Ort, etwa in der Betriebskantine und vor vielen Kollegen verspottet, verletzt seine Pflichten gegenüber dem Chef in schwerwiegender Weise. Erfährt der Arbeitgeber davon, kann dieser zu harten Sanktionen greifen und den Beschäftigten abmahnen oder sogar kündigen.

Das kann auch dann der Fall sein, wenn ein Arbeitnehmer nicht nur lästert, sondern den Chef beschimpft. „Wenn ein Beschäftigter in seinen Äußerungen die Grenzen zu Straftatbeständen wie Beleidigung oder Schmähkritik überschreitet, kann dies ernste Folgen haben“, erklärt die Kölner Rechtsanwältin Dr. Nathalie Oberthür von der Arbeitsgemeinschaft Arbeitsrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV).

Unter die Belei­di­gungen, die zu einer Kündigung führen können, fallen beispiels­weise grobe Kraft­ausdrücke.

Lästern über den Chef: Im vertrau­lichen Gespräch kann dies erlaubt sein

Demgegenüber sieht die Rechtslage anders aus, wenn ein Beschäftigter etwa im ganz kleinen Kolle­gen­kreis über den Arbeit­geber tratscht. „Kommt dem Chef diese Art von Lästern zu Ohren, muss der Lästernde in der Regel nicht mit Konse­quenzen rechnen“, sagt die Arbeits­rechts­ex­pertin Oberthür. „Denn der Beschäftigte hat sich in dieser Situation auf eine sogenannte Vertrau­lich­keits­er­wartung gestützt.“

Der Arbeit­nehmer hat sich also darauf verlassen, dass das Gespräch vertraulich bleibt. Bricht einer der Gesprächspartner diese Vertrau­lichkeit aber und gibt den Inhalt des Gesprächs an den Chef weiter, kann das dem lästernden Arbeit­nehmer nicht angelastet werden. Das hat das Bundes­ar­beits­ge­richt in einem Urteil aus dem Jahr 2000 klarge­stellt (AZ: 2 AZR 927/98).

2009 hat das Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz im Fall einer lästernden Beschäftigten betont, die vertrauliche Kommunikation in der Privatsphäre sei als Betätigung des allgemeinen Persönlichkeitsrechts besonders geschützt (AZ: 1 Sa 230/09).

Arbeit­nehmer: Was folgt dem Lästern in sozialen Medien?

Von vertrau­licher Kommu­ni­kation kann aber nicht immer die Rede sein, zumindest dann nicht, wenn man seinen Frust auf den Chef beispiels­weise auf Facebook postet oder über andere soziale Netzwerke verbreitet.

„Heute verbreiten sich Informationen und damit auch Lästereien viel schneller und haben ein größeres Gewicht, weil sie mehr Leute erreichen“, sagt Rechtsanwältin Oberthür. „Der Schaden ist also sehr viel größer als wenn jemand in der Kantine lästert.“ Daher können solchen Lästereien auch eher eine Abmahnung oder eine Kündigung folgen.

Allerdings gibt es beim Thema Lästern über den Chef über soziale Medien bislang keine einheitliche Rechtsprechung. Gerade deshalb sollte man sich aber beim Lästern über den Arbeitgeber in sozialen Medien zurückhalten.

Das gilt auch dann, wenn ein Kollege lästert und man dessen Post zum Beispiel teilen möchte. Das sollte man lieber unterlassen, denn auch das Teilen abschätziger Posts von Dritten kann arbeitsrechtlich problematisch sein.

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