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Arbeitsrecht

Kündigung wegen Fettlei­bigkeit: Mit 200 Kilo zu dick für den Job?

Quelle: Patrick Strattner/gettyimages.de
Zu dick oder nicht zu dick? Das war hier die Frage.
© Quelle: Patrick Strattner/gettyimages.de

Der Arbeit­nehmer bestand darauf, arbeitsfähig zu sein. Der Arbeit­geber behauptete das Gegenteil. Vor dem Landes­ar­beits­ge­richt in Düsseldorf haben sich ein zeitweise 200 Kilo schwerer Arbeiter und sein Arbeit­geber auf einen Vergleich geeinigt.

Ein vor kurzem noch 200 Kilogramm schwerer Arbeiter hat vor dem Landes­ar­beits­ge­richt in Düsseldorf seine Kündigung wegen Fettlei­bigkeit abwenden können. Unter­nehmen und Arbeit­nehmer verein­barten einen Vergleich: Der Arbeiter muss sich bemühen, abzunehmen und die Firma regelmäßig über sein Gewicht infor­mieren.

Keine passenden Schuhe, Westen oder Leitern für Arbeit­nehmer

Der Garten- und Kanal­bau­be­trieb hatte argumen­tiert, der Beschäftigte könne seine Arbeit wegen seiner Körperfülle nicht mehr vertragsgemäß leisten. Weder gebe es passende Warnwesten noch Arbeits­schuhe oder Leitern im Betrieb, die für ein solches Gewicht zugelassen seien, argumen­tierte der Arbeit­geber.

Zuvor hatte der Mann erfolglos in einem Adipo­si­tas­zentrum versucht, Gewicht zu verlieren. Die Mediziner dort hätten gesagt, ohne eine Operation komme man in diesem Fall nicht weiter.

Am Pritschen­wagen sei eine Fußraste unter dem Gewicht des Beschäftigten abgebrochen, argumen­tierte der Betrieb weiter. Der Mann passe auch nicht mehr in die Gräben, die er ausheben müsse. Und wenn er doch drin sei, komme er allein nicht mehr heraus. Am Steuer des Firmen­wagens sei er eine Gefahr, weil das Lenkrad an seinem Körper hängenbleibe. Er könne nur noch als Handlanger einge­setzt werden.

Verletzt die Körperfülle die Fürsorge­pflicht des Arbeit­gebers?

«Wenn er über ein frisch verlegte Straßenpflaster läuft, verschiebt sich das. Vor allem das Bücken ist bei ihm ein Problem.» Seine Körperfülle betreffe auch die Fürsorge­pflicht des Arbeit­gebers: «Darf ich ihn in seinem Zustand in praller Sonne zu harter körperlicher Arbeit einsetzen?»

Nach 30 Jahren im Betrieb hatte der Arbeit­geber dem 49-Jährigen gekündigt. Der 1,94 Meter große Arbeiter hatte argumen­tiert, er könne die gefor­derten Arbeiten in dem Garten­bau­be­trieb leisten. Er benötige lediglich - wie seine Kollegen - eine Leiter, um aus den Gräben heraus­zu­kommen.

Die Richterin wies darauf hin, dass viel von der Prognose abhänge. Sei diese negativ, sei dem Unter­nehmen kaum zuzumuten, den Mann noch 18 Jahre bis zur Rente zu beschäftigen: «Eine dauer­hafte Erkrankung ist letztlich ein Problem des Arbeit­nehmers.» Notfalls müsse ein Gutachter klären, ob er einge­setzt werden könne. Eine Magen­ver­klei­nerung wollte das Gericht nicht vorschreiben.

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Arbeit Kündigung Kündigungsschutz

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