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Recht oder falsch?!

Krank­schreibung ab dem ersten Tag: Ist das rechtens?

Viele Patienten gehen nur deshalb zum Arzt, weil sie eine Krankschreibung benötigen. Die Folge: Überfüllte Praxen und hohe Kosten für das Gesundheitssystem. © Quelle: Atkins/fotolia.com

Eine Krank­schreibung ist grundsätzlich erst nach drei Tagen Abwesenheit fällig – das glauben zumindest die meisten Arbeit­nehmer. Dabei kann der Chef selbst entscheiden, wann er ein Attest sehen will. Die deutsche Anwaltaus­kunft klärt den Rechts­mythos auf.

Die Deutschen gehen häufiger zum Arzt als die meisten anderen Europäer – im Durch­schnitt rund zehn mal pro Jahr. Schuld daran sei auch das Prinzip der Krank­schreibung hierzu­lande, sagen Mediziner der Uni Magdeburg in einer aktuellen Studie. Einen Verbes­se­rungs­vor­schlag haben die Forscher auch: Wer sich schlecht fühlt, soll sich bis zu einer Woche lang ohne Attest selbst krank­melden können.

Bisher müssen Arbeit­nehmer wesentlich schneller zum Arzt. „In Regel verlangen Arbeit­geber spätestens nach drei Krank­heits­tagen eine Arbeitsunfähigkeits­be­schei­nigung“, sagt die Rechtsanwältin Donata Gräfin von Kageneck vom Deutschen Anwalt­verein (DAV).

Arbeit­geber darf Attest schon am ersten Tag einfordern

Viele Arbeitnehmer gehen deshalb davon aus, dass sie in jedem Fall drei Tage ohne Arztbesuch krankfeiern dürfen. Das ist ein Irrtum. In Paragraph 5 des Entgeltfortzahlungsgesetzes heißt es zwar, dass der Arbeitnehmer bei einer Arbeitsunfähigkeit von „mehr als drei Tagen“ eine ärztliche Bescheinigung vorlegen muss. Doch gleichzeitig räumt das Gesetz dem Arbeitgeber das Recht ein, die Krankschreibung „früher“ zu verlangen. „Das bedeutet, dass der Arbeitgeber im Einzelfall schon am ersten Krankheitstag ein Attest einfordern darf“, sagt die Rechtsanwältin Gräfin von Kageneck.

Die meisten Arbeit­geber machen von diesem Recht keinen Gebrauch und verlangen erst ab dem vierten Fehltag eine Krank­schreibung, also ein ärztliches Attest. Das ist in der Regel auch sinnvoller: Gerade bei leich­teren Erkran­kungen dient es der Gesundung meist mehr, einen Tag das Bett zu hüten, als gleich zum Arzt zu gehen. Zudem motiviert eine Attest­pflicht ab dem ersten Tag Mitar­beiter dazu, trotz Krankheit zur Arbeit zu gehen, wo sie dann Kollegen anstecken.

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Themen
Arbeitnehmer Arbeitsplatz Arbeitsunfähigkeit Krankheit Recht oder falsch?!

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