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Arbeits­ver­wei­gerung: Kündigung auch bei gutem Grund

Darf ich wegen zu geringer Bezahlung die Arbeit verweigern?
© Quelle: Moses/ corbisimages.com

Bei Arbeits­ver­wei­gerung droht die Kündigung. Das gilt auch dann, wenn der Arbeit­nehmer der Meinung ist, für seine Arbeit keinen gerecht­fer­tigten Stundenlohn zu bekommen. Das entschied ein Gericht.

Der Mitar­beiter eines Unter­nehmens, das Boden­ver­le­ge­ar­beiten übernimmt, sollte in vierzig nahezu identi­schen Häusern im Akkord Boden­belag verlegen. Dabei musste er wie üblich auch die Vorar­beiten übernehmen: unter anderem Transport und Zuschneiden des Belags sowie Reinigung des Unter­grunds. Sein Arbeit­geber zahlte für bestimmte Boden­ver­le­ge­ar­beiten einen Akkordsatz, ansonsten einen Stundenlohn von zwölf Euro.

Nach zwei Tagen Arbeit rechnete sich der Mann seinen Durch­schnitts­stun­denlohn aus und kam auf einen Betrag von 7,86 Euro brutto. Seine Forderung nach einem angemes­senen Stundenlohn für diese Baustellen oder aber einen anderen Einsatzort lehnte der Geschäftsführer ab. Er forderte den Mitar­beiter in mehreren Gesprächen eindringlich auf, die zugewiesene Arbeit auszuführen. Zuletzt drohte er dem Mitar­beiter die fristlose Kündigung an. Dieser hielt jedoch an seiner Verwei­ge­rungs­haltung fest. Das Arbeitsverhältnis wurde daraufhin fristlos gekündigt.

Beharr­liche Arbeits­ver­wei­gerung führt zu frist­loser Kündigung

Mit seiner Kündigungsschutzklage hatte der Mann keinen Erfolg. Er hätte die Arbeit nicht verweigern dürfen, so die Richter am Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein, weil zu Bodenverlegearbeiten unstreitig Zusammenhangsarbeiten gehörten (17. Oktober 2013, AZ: 5 Sa 111/13). Daran ändere auch eine möglicherweise unzureichende Absprache über die Vergütung nichts. Arbeitsvertraglich sei sowohl eine Akkordlohnvergütung vereinbart worden als auch, dass Zeitlohnarbeiten mit einem Stundenlohn vergütet würden.

Bei den Boden­ver­le­ge­ar­beiten handele es sich unstreitig um eine Akkordlohn-Tätigkeit. Das Unter­nehmen habe dem Mann also keine vertrags­wid­rigen Tätigkeiten zugewiesen. Daher hätte er diese Arbeiten ausführen müssen. Auch habe er kein Recht auf Zuweisung von Arbeit auf einer anderen Baustelle. Der Mitar­beiter hätte vielmehr erst einmal die zugewiesene Arbeit verrichten müssen und sie nicht zurückhalten dürfen. Dass er fälschli­cher­weise gedacht habe, er habe ein Zurückbehal­tungs­recht, sei ohne Bedeutung. Das so genannte Irrtums­risiko trage der Arbeit­nehmer. Den Vergütungs­streit hätte er also gegebe­nen­falls später nach Erhalt der Abrechnung führen müssen. Wegen der Beharr­lichkeit der Arbeits­ver­wei­gerung sei die fristlose Kündigung hier gerecht­fertigt gewesen.

Themen
Arbeitnehmer Gehalt Lohn

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