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Arbeitswelt

Diskri­mi­nierung: Was ist erlaubt, was verboten?

Gesellschaftlicher Ausschluss: Das Gleichbehandlungsgesetz will davor schützen. © Quelle: DAV

Nach „jungen Mitar­beitern“ oder etwa nach „Kranken­schwestern“ dürfen Arbeit­geber nicht mehr über Stellen­an­zeigen suchen. Denn seit 2006 gilt das Allge­meine Gleich­be­hand­lungs­gesetz (AGG), das Menschen davor schützen will, zum Beispiel wegen ihres Alters oder ihres Geschlechts diskri­mi­niert zu werden. Wir zeigen die wichtigsten Regeln des Gleich­be­hand­lungs­ge­setzes am Beispiel der Arbeitswelt.

Wieder bei einer Beförderung übergangen? Erst gar nicht zum Bewer­bungs­gespräch einge­laden? Misser­folge im Beruf können an mangelnden Quali­fi­ka­tionen liegen, sie können aber auch in Vorur­teilen von Arbeit­gebern und Perso­nal­ver­ant­wort­lichen begründet sein.

Die Macht von Vorurteilen brechen will das seit 2006 geltende Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG). Das AGG, umgangssprachlich häufig auch Anti-Diskriminierungsgesetz genannt, verbietet jede Form von Benachteiligung von Menschen aufgrund ihres Alters, Geschlechts, ihrer Rasse, ethnischen Herkunft, sexuellen Orientierung, Religion und Weltanschauung oder Behinderung. „Nach dem AGG müssen Sachverhalte, die gleich sind, auch gleich behandelt werden“, stellt der Rechtsanwalt Michael Eckert von der Arbeitsgemeinschaft Arbeitsrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV) klar. Zwar greift das Anti-Diskriminierungsgesetz auch im Zivilrecht, sein Schwerpunkt liegt aber auf der Benachteiligung von Menschen in Ausbildung und Beruf.

Benachteiligung im Beruf: Wie verbreitet ist Diskriminierung am Arbeitsplatz?

Wie verbreitet Diskri­mi­nierung in der Berufs- und Arbeitswelt ist, ist statis­tisch nicht erfasst. Aller­dings dokumen­tiert die Antidis­kri­mi­nie­rungs­stelle des Bundes regelmäßig Urteile deutscher Gerichte und des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) zum Thema Diskri­mi­nierung und aktua­li­siert diese Liste laufend. Darüber hinaus gibt es Erfah­rungs­werte: „Im Arbeits­recht haben wir viele Fälle von Alters­dis­kri­mi­nierung", berichtet Bernhard Franke, stell­ver­tre­tender Leiter der Antidis­kri­mi­nie­rungs­stelle des Bundes.

Diskriminierung wegen Namen oder sozialer Herkunft: Nach dem Gesetz erlaubt

Doch auch sehr junge Menschen, die am Beginn ihres Ausbil­dungs­weges stehen, können bereits diskri­mi­niert werden und mit negativen Zuschrei­bungen konfron­tiert sein. Einer Studie der Universität Oldenburg zu Folge unter­stellen etwa Grund­schul­lehrer Schülern oft schon allein wegen deren Vornamen negative oder positive Eigen­schaften. So bewer­teten die Pädagogen Kinder mit Vornamen wie „Kevin“ oder „Maurice“ negativ und ordneten sie bildungs­fernen Milieus zu. Hießen die Kinder dagegen „Charlotte“ oder „Maximilian“ attes­tierten ihnen die Lehrer Fleiß und Talent.

Wenn sich ein erwach­sener „Kevin“ auf eine Stelle bewerben und abgelehnt würde, weil der Arbeit­geber Vorur­teile gegen dessen tatsächliche oder vermeint­liche soziale Herkunft hegt, könnte sich „Kevin“ nicht auf das AGG stützen. Denn das Anti-Diskri­mi­nie­rungs­gesetz verbietet es nicht, jemanden wegen seiner sozialen Herkunft zu benach­tei­ligen.

Diskriminierung wegen des Aussehens, Körpergewicht oder Körpergröße: Nach AGG nicht verboten

Auch Diskri­mi­nie­rungen wegen körperlicher Eigen­heiten sind nach dem AGG nicht verboten. Ein anschau­liches Beispiel dafür lieferte 2014 die Klage einer Frau vor dem Arbeits­ge­richt Darmstadt. Sie hatte geklagt, weil sie vermutete, eine Arbeits­stelle wegen ihres Gewichtes nicht bekommen zu haben. Sie sah darin eine Diskri­mi­nierung nach dem AGG. Doch die Richter folgten der Argumen­tation nicht und wiesen ihre Klage ab (AZ: 6 CA 22/13).

„Man muss immer prüfen, ob das AGG überhaupt greift“, sagt Rechts­anwalt Michael Eckert. „Das Aussehen zählt nicht zu den Kriterien, für die man nach dem AGG nicht diskri­mi­niert werden darf.“ Auch wenn dies moralisch bedenklich sei - rechtlich gesehen spreche nichts dagegen, wenn ein Arbeit­geber nach dem Aussehen gehe und Bewerber nach dem Äußeren auswähle.

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