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Das Recht von Vollzeit in Teilzeit zu wechseln

Der Teilzeitanspruch gilt für alle Angestellten, die mindestens seit sechs Monaten in einem Betrieb arbeiten. © Quelle: King/corbisimages.com

Mitar­beiter haben einen Anspruch darauf, ihre Stundenzahl im Büro zu verkürzen. Vorge­setzte dürfen einen Antrag auf Teilzeit wiederum nur unter strengen Voraus­set­zungen ablehnen. Das gilt übrigens insbe­sondere während und nach der Elternzeit. Wie Angestellte vorgehen sollten, wenn sie ihre Arbeitszeit reduzieren wollen, erklärt die Deutsche Anwaltaus­kunft.

Wer darf auf Teilzeit verkürzen?

Der Teilzeitanspruch gilt dem Arbeitsrecht zufolge für alle Mitarbeiter, die mindestens seit sechs Monaten in einem Betrieb arbeiten, der mehr als 15 feste Beschäftigte hat. Auszubildende werden in dieser Rechnung nicht berücksichtigt.

Dürfen Vorge­setzte Anträge auf Teilzeit ablehnen?

Ja. Unternehmen müssen nicht jedem Wunsch, auf Teilzeit zu reduzieren, nachkommen. Der Gesetzgeber sieht vor, dass ein Arbeitgeber ein Teilzeit-Begehren aus „betrieblichen Gründen“ ablehnen darf. Die Grenzen dazu sind allerdings eng gesteckt: „Ein betrieblicher Grund liegt zum Beispiel vor, wenn die verringerte Arbeitszeit die Organisation, den Arbeitsablauf oder die Sicherheit im Betrieb wesentlich beeinträchtigt oder unverhältnismäßig hohe Kosten verursacht“, sagt Rechtsanwältin Kathrin Schlegel, Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Arbeitsrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV).

Auf wie viele Stunden darf verkürzt werden?

Unbeschränkt. Gesetzlich ist nicht geregelt, in welchem Ausmaß Beschäftigte ihre Arbeitszeit reduzieren dürfen. Rechtsanwältin Schlegel dazu: „Den Umfang der Verringerung und die Verteilung der Arbeitszeit kann der Arbeitnehmer selbst bestimmen.“ Würde ein Antrag aber nur gestellt, um die Aufteilung neu zu gestalten und dabei nur geringfügig Stunden reduziert, könnte das rechtsmissbräuchlich sein.

Wann muss die Teilzeit­arbeit beantragt werden?

Den Antrag müssen Angestellte drei Monate vor dem geplanten Beginn der Arbeits­zeitverkürzung stellen. „Die Dreimo­nats­frist ist eine Ankündigungs­frist, die dem Schutz des Arbeit­gebers dient“, so Schlegel. Verpasst ein Arbeit­nehmer diese Frist, bedeutet das wiederum aber nicht, dass sein Teilzeit­antrag unwirksam wäre. Das Versäumnis habe lediglich zur Folge, so Schlegel, dass sich der Teilzeit-Beginn auf den nächstzulässigen Zeitpunkt verschiebe.

Wie muss ein Antrag auf Teilzeit formu­liert sein?

Der Antrag muss so formu­liert sein, dass er vom Arbeit­geber mit einem einfachen „Ja“ beant­wortet werden kann. Arbeit­nehmer müssen außerdem konkret angeben, ab welchem Kalen­dertag und um wie viele Stunden sie ihre Arbeitszeit verkürzen wollen.

In dem Schreiben kann optional auch angegeben werden, wie die verkürzten Arbeits­stunden auf die Woche verteilt sein sollen: zum Beispiel auf eine Vierta­ge­woche, bei der die Stunden an vier Tagen abgeleistet werden und der fünfte Arbeitstag deshalb wegfällt. Auch die Aufteilung der Stunden muss im Teilzeit-Antrag so formu­liert sein, dass der Arbeit­geber sie mit einem einfachen „Ja“ beant­worten kann.

Übrigens besteht keine Pflicht, den Wechsel auf Teilzeitarbeit schriftlich zu beantragen. Rechtsanwältin Schlegel rät aber nichtsdestotrotz zur Schriftform – um mit dem schriftlichen Antrag ein Beweismittel in der Hand zu haben, dass eben dieser richtig gestellt wurde.

Wie ist es um den Restur­lau­ban­spruch aus der Vollzeit beim Wechsel in Teilzeit bestellt?

Bislang wurde der Resturlaubsanspruch eines Arbeitnehmers im Wechseljahr aus der Voll- in die Teilzeit den reduzierten Arbeitsstunden angepasst. Dieser Praxis hat das Bundesarbeitsgericht Anfang 2015 einen Riegel vorgeschoben (AZ: 9 AZR 53/14). Demnach darf der Resturlaubsanspruch aus der Vollzeitbeschäftigung am Übergang zur Teilzeit nicht gekürzt werden.

Spezi­alfall: Was gilt für die Elternzeit und danach?

Im Gegensatz zu Anträgen für ein Teilzeit-Begehren außerhalb der Elternzeit, müssen solche für die Elternzeit unbedingt schriftlich gestellt werden. Andernfalls sind sie unwirksam. Eltern sind übrigens gut beraten, bereits während ihrer Elternzeit wieder an den Arbeitsplatz zurückzukehren, wenn sie für die Zeit danach planen, in Teilzeit zu arbeiten. Das rät Rechtsanwältin Schlegel. Haben sich Eltern bereits während der Elternzeit als Teilzeitkräfte bewährt, ist es für Unternehmen schwierig, danach betriebliche Gründe gegen einen Teilzeitanspruch vorzubringen.

Arbeit­geber darf Eltern­teilzeit nur unter strengen Voraus­set­zungen versagen

Unter­dessen sind die Grenzen für den Arbeit­geber sehr eng gesteckt, einen Antrag auf Eltern­teilzeit abzulehnen. Dem Verlangen nach Teilzeit­arbeit müssen nicht nur „betrieb­liche“, sondern vielmehr „dringende“ Gründe entge­gen­stehen. Die Gerichte legen das wiederum eng aus.

Zum Beispiel das Landes­ar­beits­ge­richt Rheinland-Pfalz: Dort hatten die Richter einer Frau Recht gegeben, die versucht hatte, in Eltern­teilzeit zu wechseln (AZ: 3 Sa 390/13). Ihr Chef hatte das zunächst abgelehnt und als dringende betrieb­liche Gründe unter anderem erhöhte Kosten vorge­bracht. Er argumen­tierte weiter, dass die Stelle nicht teilbar sei. Das ließen die Richter nicht gelten: Der Gesetz­geber erwarte vom Arbeit­geber, betrieb­liche Schwie­rig­keiten, die sich aus der Eltern­teilzeit ergeben, zu bewältigen.

Von Vollzeit auf Teilzeit wechseln: Wann zum Anwalt?

Wenn Sie Ihre Arbeitszeit reduzieren und von Vollzeit auf Teilzeit wechseln möchten, Ihr Arbeitgeber das aber ablehnt, sollten Sie einen Rechtsanwalt für Arbeitsrecht kontaktieren. Eine Anwältin kann Sie beraten, wie Sie richtig vorgehen. Auch bei anderen arbeitsrechtlichen Fragen und Konflikten kann es sinnvoll sein, sich an einen Fachmann zu wenden, der die Rechtslage kennt. Kompetenten Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte finden Sie in unserer Anwaltssuche.

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Arbeit Arbeitnehmer Eltern

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