Entlassung

Kündigungsschutzklage: Wie kann ich gegen eine Kündigung klagen?

Gegen eine Kündigung kann man klagen.
Gegen eine Kündigung kann man klagen.

Quelle: FangXiaNuo/gettyimages.de

Die Leistung ist nicht zufriedenstellend, das Unternehmen muss sparen oder die Abteilung wird ausgelagert: Gründe, entlassen zu werden, gibt es viele. Nicht immer ist die Kündigung rechtens. In vielen Fällen lohnt sich eine Klage. Schnelles Handeln ist dabei Trumpf. Lesen Sie hier, wie Sie vorgehen müssen.

Wann ist es sinnvoll, gegen die Kündigung zu klagen?

In welchen Fällen sollte man nach einer Kündigung eigentlich klagen? Rechtsanwalt Lange ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Arbeitsrecht DAV. Er sagt: „Ob eine Kündigungsschutzklage sinnvoll ist, hängt zunächst davon ab, ob es sich um eine ordentliche oder fristlose Kündigung handelt.“ Während es bei einer fristlosen Kündigung eher auf den Einzelfall ankomme, sei es bei einer ordentlichen Kündigung in der Regel sinnvoll, Klage zu erheben.

„Wer gar nicht erst klagt, hat auch keine Chance, zu seinem Recht zu kommen“, sagt der Anwalt. Regelmäßig werde eine Kündigungsschutzklage aber sinnvoll sein, da mit der Erklärung der Kündigung in vielen Fällen keine Mitteilung erfolgt, warum die Kündigung ausgesprochen wird. Dann können die Erfolgsaussichten einer Klage noch gar nicht abschließend beurteilt werden. Das gilt insbesondere für mögliche Formfehler, die gegebenenfalls zu einer unwirksamen Kündigung führen.

Vorab sollten Betroffene allerdings prüfen, ob für sie Kündigungsschutz nach dem Kündigungsschutzgesetz (KSchG) besteht, denn dies hat einen erheblichen Einfluss auf die Voraussetzungen, ob eine Kündigungsschutzklage erfolgt hat oder nicht.

Welche Frist muss ich bei einer Kündigungsschutzklage einhalten?

Möchte ein Arbeitnehmer gegen seine Kündigung vor Gericht ziehen, ist es wichtig, die Frist von drei Wochen einzuhalten. Nach Ablauf dieser Frist ist die Kündigung wirksam. In speziellen Fällen, in denen eine Behörde der Kündigung zustimmen muss, kann die Frist auch länger sein. Die Frist beginnt mit dem Zugang der schriftlichen Kündigung beim Arbeitnehmer.

Brauche ich einen Anwalt, um Kündigungsschutzklage zu erheben?

Ob Angestellte für eine Kündigungsschutzklage einen Anwalt engagieren sollten, kommt auf den Einzelfall an. Es hängt auch davon ab, ob der Kläger eine Rechtschutzversicherung hat und wie die Erfolgsaussichten der Klage sind.

Theoretisch kann ein Arbeitnehmer auch ohne einen Rechtsanwalt eine Kündigungsschutzklage erheben. Ist er nicht rechtschutzversichert, muss er die Anwaltskosten zahlen. Dies gilt auch, wenn er das Kündigungsschutzverfahren gewinnt. Allerdings kann ein Rechtsanwalt die Erfolgsaussichten einer Klage einschätzen. Wer erwägt, zu klagen, kann sich zunächst beraten lassen. Anwältinnen und Anwälte für Arbeitsrecht in Ihrer Nähe finden Sie in unserer Anwaltssuche.

Entscheidend ist auch, ob ein besonderer Kündigungsschutz Anwendung findet, weil die gekündigte Person zum Beispiel als Schwerbehinderter Mensch im Sinne des SGB IX anerkannt ist oder sich in Elternzeit befindet. Dann ist es sinnvoll, einen Rechtsanwalt hinzuziehen. Denn diese Fälle sind meist komplizierter – und die Chancen, dass die Klage erfolgreich ist, mit einem Anwalt höher.

Wie läuft das Verfahren ab?

Wer sich nicht von Anfang an von einem Rechtsanwalt beraten und es erst einmal selbst versuchen möchte, kann auch im Verlauf des Verfahrens noch einen Anwalt hinzuzuziehen. Denn bei einer Kündigungsschutzklage steht vor der eigentlichen Verhandlung vor dem Arbeitsgericht erst einmal ein Gütetermin. Hier treffen alle Parteien zusammen und haben die Möglichkeit, sich auszutauschen um zu einer gütlichen Einigung gelangen.

Je nach Sachlage können die Kläger es riskieren, erst einmal alleine in den Gütetermin zu gehen. Können sich die Parteien dann nicht einigen, kann man für den weiteren Verfahrensverlauf einen Rechtsanwalt hinzuziehen.

Kommt es bei einer Kündigungsschutzklage immer zu einem Urteil?

Wie Rechtsanwalt Lange erläutert, wird ein Großteil der Verfahren gütlich geeinigt. „Die Vergleichsquote ist bei Kündigungsschutzklagen sehr hoch.“ Schließlich belaste ein Gerichtsverfahren das Arbeitsverhältnis. Es hätten deshalb regelmäßig beide Seiten ein Interesse daran, sich gütlich zu einigen. In manchen Fällen beschließen Arbeitnehmer und Chef, es doch noch einmal miteinander zu versuchen. Eine verhaltensbedingte Kündigung wird dann unter Umständen in eine Abmahnung umgewandelt oder einfach zurückgenommen.

Teilweise einigen sich die Parteien auch darauf, dass die Kündigung bestehen bleibt, der Arbeitnehmer aber eine Abfindung beziehungsweise eine höhere Abfindung als die vereinbarte erhält oder, dass das Arbeitsverhältnis erst zu einem späteren Zeitpunkt endet und der Arbeitnehmer unter Fortzahlung der Vergütung freigestellt wird.

Petra Seifert Sven Herwin Jürgens Stephanie Musiol Günter Posselt Karen König

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